Da weinte Jesus.
Johannes 11,35
Viele Tränen habe ich in den letzten Tagen gesehen. Bei sportlichen Großereignissen, wie den Olympischen Spielen, sind die Kameras überall dabei. Nach den Anspannungen und Entbehrungen nehmen die Emotionen dann oftmals ihren freien Lauf. Nur selten ist das in der Öffentlichkeit so sichtbar wie im Sport. Einige wenige sind Sieger. Die Meisten aber müssen sich hinten anstellen. Einige können damit gut zurechtkommen, weil sie ihr Leistungsvermögen voll ausgeschöpft haben. Wer aber vorher als Favorit gehandelt wurde und dann nur den 4. Platz erreicht oder ganz ausscheidet, für den bricht eine Welt zusammen. Die Endtäuschung ist groß. Ein kleiner Fehler und schon ist der Sieg verpasst. Jahre der Vorbereitung sind plötzlich umsonst. Große Leere oder gar Sinnlosigkeit machen sich breit. Dabei ist End-Täuschung ja nur das Ende der Täuschung. Erleben wir das auch? Wie schnell sind die hochfliegenden Träume zerplatzt und wir landen hart auf dem Boden der Realität. In seinem Evangelium beschreibt Johannes ausführlich den Weg Jesu an das Kreuz. Wir wollen in diesen Tagen der Passionszeit mitgehen, mitleiden und mitfühlen was unser Herr für uns getragen hat. Jesus weint. Er ist berührt vom Tod seines Freundes Lazarus. Der Sohn des allmächtigen Gottes, der Schöpfer dieser Welt, weint über die Vergänglichkeit und Begrenztheit des menschlichen Lebens. Worüber würde Jesus heute weinen: über Hass und Unversöhnlichkeit, über das Scheitern von Beziehungen, darüber dass Menschen sich gegenseitig das Leben schwer machen? Jesus war nicht nur der Gottessohn sondern gleichzeitig auch ganz Mensch und hat alle Formen menschlicher Bedürftigkeit mit durchleben müssen. Er weint auch mit uns und kennt unsere Endtäuschungen. Ihm können wir uns anvertrauen und wir dürfen ganz gewiss sein: mit ihm siegt am Ende das Leben. Damals geschah das beispielhaft bei Lazarus. In der Zukunft, bei der Auferstehung zum ewigen Leben, geschieht es für alle, die an ihn glauben. Dann wird er alle Tränen abwischen, weil er der Sieger ist.
Einen gesegneten Monat März wünscht Andreas.